in drei absätzen

der ginkgo verlor seine blätter von heute auf morgen auf einmal. hysterisch gelb, hielten sie sich auf den vertikal zum himmel betenden ästen. aber irgendwas ist im himmel schief gelaufen und nun ist der hof bedeckt von cadmium-gelben herzchen und hirnchen.

aber die fichte, die korrodiert langsam. langsam verliert sie ihre nadeln, langsam aber sicher sammeln sie sich am boden – es wäre sogar angemehm in den teppich zu treten, wär`s nicht diese farbe. sie verätzt das gemüt wie aceton einen rollfilm.

den film hat keiner gebraucht, er wurde trotzdem gedreht. nun bin ich da, die zuschauerin. die hauptrolle spielt ein falke. er sitzt frierend auf der fichte und kuschelt sich in seine flügel ein.

A. Khurgin. Panorama (aus dem russischen)

Alexander Khurgin

Panorama

Die Schlange, plötzlich unerwartet lang. Endete draußen. So `ne Schlange ist selten für Deutschland. Und wer da alles nicht stand, in der Schlange. Direkt vor ihnen ein uralter Greis mit einem ungefähr sechszehnjährigen Bengel. Wären nicht seine zwei Krücken, der Greis könnte nicht stehen.

– Die sprechen English,- sagte Aljona leise.

– Ich hör`s, – antwortete Kasankin. A. Khurgin. Panorama (aus dem russischen) weiterlesen

in drei absätzen

die kontaktfreudigen rentner beim morgendlichen einkauf – das leben heute ist übertrieben. raus aus dem laden. herbstregen verbessert den allgemeinen zustand, wischt die altlauten ab, putzt das bunte laub bis es glänzt und tickt anschließend an meine fenster. das uhrwerk des wasserkreislaufs, nass und taktvoll.

zu hause tee, telefonate, tombola. ein gedicht, auf russisch gesprochen, katapultiert mich ins jenseits, ehe ich denken kann. bin ein luftballon, aufgepustet, nicht verschlossen. wieder runter. verschnaufe. lese mich auf.

und der regen prasselt rasch, mittlerweile, hämmert sanft aber entschieden ans dachfenster, als ob er mir sagen möchte: darf ich bei dir übernachten?