affenliebe

als meine mutter sich mir entzog, liebte ich einen kehrbesen. 

in einer voliere allein. keine geschwister (nicht dass ich wüsste).

aufseher bringen futter und wasser,

sorgen für sterilität, verschwinden bis morgen.

ich habe zeit. 

glück oder unglück? ich bin robust. andere leben nicht mehr.

mein biegsamer besen. umarme ihn lange, wärme.

ich bin zufrieden: es könnte ein eimer sein.

ein hohler, klirrender blechheld – danke,

zum henker.

meine befahrbaren doppelhirnhälften bewirte ich selbst.

rädernde sätze sind ebenso kein grund zum streiten.

der besen hat gute manieren, ist nicht aufdringlich.

manchmal betrüge ich ihn mit einem wecker.

Veröffentlicht von

juliag

Julia Grinberg, Mitglied des „Salon Fluchtentier“. Zu hören bei Lesezimmer.de, zu lesen bei: Fixpoetry, Verlagshaus Berlin, Signaturen, Seitenstechen (Homunculus Verlag), MosaikZeitschrift, außer.dem. Header-Bild: Lesezimmer.de

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